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Von Philipp LandmarkZum Auftakt des Alu-Kongresses im%u201eWerk 1 in Gossau im Kanton St.%u00a0Gallen sprach kein geringerer als %u201ederNachhaltigkeitspapst in Europa%u201c %u2013 sozumindest f%u00fchrte Marcel Menet (Foto), der Gesch%u00e4ftsf%u00fchrer des Aluminium-Verbands Schweiz, J%u00f6rg H. Sch%u00e4ferein. Sch%u00e4fer ist heute Head of Recy cling and Sustainability bei AluminiumDeutschland e.V.,%u00a0 hatte aber einenengen Bezug zur damaligen Alusuisse,weshalb er immer wieder gerne inseine %u201ezweite Heimat%u201c komme, wie ersagte.F%u00fcr J%u00f6rg Sch%u00e4fer markiert der %u201eErdgipfel%u201c, die UN-Konferenz in Rio deJaneiro 1992, den Beginn der Nachhaltigkeitsdebatte, %u201eda wurden diegr%u00f6%u00dften Impulse ausgel%u00f6st%u201c. Nachhaltigkeit beruhe auf den drei S%u00e4ulen%u00d6kologie, Soziales und Wirtschaft. Oftwerde jedoch vergessen, dass dieseZiele nicht immer deckungsgleich seien. %u201eWir reden nicht von der Maximierung einer einzelnen S%u00e4ule, sondernvon Zielkonflikten%u201c, sagte Sch%u00e4fer.Nachhaltige Entwicklung bedeute, denSchutz nat%u00fcrlicher Lebensgrundlagenmit sozialer Verantwortung und wirtschaftlicher Leistungsf%u00e4higkeit in Einklang zu bringen.Nur Europa zahlt f%u00fcr CO%u2082Die CO2-Reduktion sei heute das dominierende Thema. In der %u00f6ffentlichenDiskussion werde Nachhaltigkeit h%u00e4ufig darauf reduziert. Damit seien jedoch erhebliche Kosten verbunden, dievon der Industrie zuerst erwirtschaftetwerden m%u00fcssten. F%u00fcr unsere Unternehmen sei dies besonders anspruchsvoll, weil nur Europa CO2-Kosten bezahle. Deshalb m%u00fcsse die Wettbewerbsf%u00e4higkeit bei allen politischenund regulatorischen Diskussionen einzentrales Kriterium bleiben. Am Beispiel der Umweltproduktdeklarationen(EPD) zeigte Sch%u00e4fer auf, dass h%u00e4ufigausschlie%u00dflich Umweltaspekte betrachtet w%u00fcrden, w%u00e4hrend wirtschaftliche Faktoren, die technische Leistungsf%u00e4higkeit und Wettbewerbsfragenkaum ber%u00fccksichtigt w%u00fcrden.Dennoch dreht sich alles um die CO2Reduktion. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie hat diesenFr%u00fchling eine komplexe Darstellungvon Materialkreisl%u00e4ufen publiziert mitdem Ziel, auf diesen Stoffstr%u00f6me einemCO2-Faktor zuzuordnen. %u201eWer an dieAutomobilindustrie liefert, muss in Zukunft in der Lage sein, diese Stoffstr%u00f6me darzustellen%u201c, sagte J%u00f6rg Sch%u00e4fer.Ambitionierte Gesetzgebung Als theoretisch gr%u00f6%u00dften Hebel zur Reduktion von CO2-Emissionen bezeichnete J%u00f6rg Sch%u00e4fer die Wiederverwendung kompletter Bauteile. So k%u00f6nntebeispielsweise nach einem Unfall oderaus Alt-Autos ein Motorblock ausgebaut und in einem anderen Fahrzeugweiterverwendet werden. In einzelnenF%u00e4llen k%u00f6nne ein solcher Ansatz durchaus funktionieren, etwa wenn ein nahezu neues Fahrzeug verwertet werdeund einzelne Komponenten in ein baugleiches Modell eingebaut werden. Inder Praxis sto%u00dfe diese Vorstellung jedoch an Grenzen. %u201eBauteile aus einemvor 20 Jahren in Betrieb genommenenFahrzeug sind mit einem heutigenModell nicht kompatibel.%u201cEin weiteres Potenzial zur Verringerung der CO2-Emissionen bietet derEinsatz von Prim%u00e4raluminium, das mitStrom aus Wasserkraft produziertwird. Als Lieferland komme daf%u00fcr inEuropa praktisch nur Norwegen infrage. Russische Produzenten, die ebenfalls einen hohen Teil Wasserkraft f%u00fcrdie Stromerzeugung verwenden, sindsanktionsbedingt derzeit weitgehendausgeschlossen.Auch in China w%u00e4chst der Anteil erneuerbarer Energien kontinuierlich.Heute stammen dort bereits rund 20Prozent der f%u00fcr die Aluminiumproduktion eingesetzten Energie aus Wasserkraft, weitere zehn Prozent aus anderen erneuerbaren Quellen. Noch immerwerden jedoch rund 70 Prozent derElektrolysekapazit%u00e4ten mit Kohlestrombetrieben. Sch%u00e4fer verwies allerdingsdarauf, dass China einen klaren Fahrplan verfolge und bis sp%u00e4testens 2050klimaneutral produzieren wolle.Neben den Anforderungen an einem%u00f6glichst CO2-arme Produktion gewinnt zunehmend auch die Versorgungssicherheit an Bedeutung. DieForderung nach resilienten Lieferketten und einer geringeren Abh%u00e4ngigkeitvon einzelnen Herkunftsl%u00e4ndernschr%u00e4nkt die verf%u00fcgbaren Bezugsquellen zus%u00e4tzlich ein.%u201eWoher bekommen wir k%u00fcnftig unserAluminium?%u201c, fragte Sch%u00e4fer. Mit Blickauf die Entwicklung der europ%u00e4ischenPrim%u00e4rproduktion fiel seine Einsch%u00e4tzung ern%u00fcchternd aus. In Deutschlandseien zahlreiche Kapazit%u00e4ten verlorengegangen, und auch in der Schweizwird seit Jahren kein Prim%u00e4raluminium mehr produziert. Statt unsere H%u00fctten durch politische Rahmenbedingungen zu schw%u00e4chen, m%u00fcssen wirden Standort st%u00e4rken. Daf%u00fcr bedarf eswettbewerbsf%u00e4higer Energiepreise.Alle wollen SchrottStellt man auf die Kundennachfrageab, scheint es eine simple L%u00f6sung zugeben: Recycling-Aluminium, denn derFootprint liegt bei 0,4 Kilogramm CO2pro Kilogramm Aluminium. Prim%u00e4r aluminium aus Europa kommt auf einen Mittelwert von 6,6 Kilogramm CO2,solches aus China auf 19 KilogrammCO2. Immer mehr Kunden verlangendarum einen hohen Recyclinganteil f%u00fcrProdukte aller Art.Das Problem: So viel AluminiumSchrott gibt es gar nicht. Der weltweiteAluminiumbedarf wird gem%u00e4%u00df Prog nosen von 95 Millionen Tonnen imJahr 2019 auf 179 Millionen Tonnenim Jahr 2050 steigen. Im gleichen Zeitraum soll das Schrottaufkommen von34 auf 91 Millionen Tonnen wachsen.Damit erh%u00f6ht sich der Anteil von Recyclingmaterial am Gesamtbedarfzwar von 36 auf 51 Prozent %u2013 mehrwird jedoch kaum m%u00f6glich sein.Europa verf%u00fcgt bereits heute %u00fcberhohe Sammelquoten und etablierteRecyclingstandards. In vielen anderenRegionen besteht noch Potenzial,wobei L%u00e4nder im asiatischen Rauml%u00e4ngst aufgeholt haben. %u201eDie machendas wirklich schon gut%u201c, sagte Sch%u00e4fer.Dank einer geschickten Kombinationvon Technologie und manueller Arbeiterreichen asiatische L%u00e4nder hoheR%u00fccklaufquoten. Generell komme derBranche zugute, dass Aluminiumeinen hohen Materialwert besitzt. %u201eEs w%u00e4re wirtschaftlich unsinnig, Aluminium auf einer Deponie landen zulassen.%u201cRegulierung st%u00f6sst an GrenzenAllerdings ist viel zu wenig Schrottverf%u00fcgbar. Denn drei Viertel des gesamten seit 1888 produzierten Aluminiums ist in Anwendungen gebunden,zeigte J%u00f6rg Sch%u00e4fer in seiner Pr%u00e4sentation auf. Als Jogurt-Deckel oder alsGetr%u00e4nkedose kommt Aluminiumrasch zur%u00fcck in den Kreislauf, dochAluminium in einem Auto, das erstjahrzehntelang in Europa f%u00e4hrt unddann noch anderswo weiterverwendetwird, ist dem Recycling entzogen. Nurgerade acht Prozent ist in Deutschlandder Anteil der anfallenden Altautos,gemessen an der Neuproduktion (Bezugsjahr 2023).Vor diesem Hintergrund betrachtetSch%u00e4fer die Diskussion um verpflichtende Recycling-Quoten in der Automobilindustrie kritisch, denn aus demgr%u00f6%u00dften Markt, dem Verkehrssektor,erhalten wir sehr geringe Mengen4ALU-KONGRESS DES ALUMINIUM-VERBANDS SCHWEIZNachhaltigkeit brauchtWettbewerbsf%u00e4higkeitEine Nachhaltigkeit, die vor allem auf CO%u2082-Reduktionfokussiert, sowie der Trend zu Protektionismus stattFreihandel stellen die Schweizer Aluminium industrievor gro%u00dfe Herausforderungen. Dies zeigten die Referate beim Alu-Kongress im Rahmen der General versammlung des Aluminium-Verbands Schweiz.An der Generalversammlung desAluminium-Verbands Schweiz wurden Ivo Frey (Allega GmbH) undMaximilian Freiberger (Constellium) neu in den Vorstand gew%u00e4hlt.Pr%u00e4sident Roland H%u00f6rzer ging in seiner Ansprache auf die allgemein schlechte Auftragslage unddie starke Volatilit%u00e4t in der Aluminiumbranche ein, einzig der Bausektor sei stabil. %u201eWer f%u00fcr denAutomotiv-Sektor t%u00e4tig ist, hat derzeit erhebliche Probleme, da vor allem die Automobilindustrie inDeutschland eine extrem schwierige Phase durchl%u00e4uft%u201c, sagte RolandH%u00f6rzer. Auch in Bezug auf die USAhabe sich die Stimmung durch dieZollsituation erheblich verschlechtert.Gesch%u00e4ftsf%u00fchrer Marcel Menetblickte in seinem T%u00e4tigkeitsberichtauf die wichtigsten Aktivit%u00e4ten desVerbands im vergangenen Jahr zur%u00fcck. Neben der Interessenvertretung gegen%u00fcber Politik und %u00d6ffentlichkeit organisierte der Verbandverschiedene Informations- undNetzwerkveranstaltungen. Dazu geh%u00f6rte auch ein Alu-Tag f%u00fcr Studierende der ETH, der den Nachwuchs mit den vielf%u00e4ltigen Einsatzm%u00f6glichkeiten des Werkstoffs Aluminium vertraut machen sollte.GENERALVERSAMMLUNG DES ALUMINIUM-VERBANDS SCHWEIZSchlechte AuftragslageVerbandspr%u00e4sident Roland H%u00f6rzer%u201eWer f%u00fcr den Auto motiv-Sektor t%u00e4tig ist, hat derzeit erhebliche Probleme%u201c%u201eNachhaltigkeit beruht auf den drei S%u00e4ulen %u00d6kologie, Soziales und Wirtschaft%u201c, sagte J%u00f6rg Sch%u00e4ferAD-Recycling-Spezialist J%u00f6rg Sch%u00e4fer%u201eWer an die Automobilindustrie liefert, muss k%u00fcnftig Stoff str%u00f6me darstellen%u201cFotos: alu.ch

