Page 5 - Demo
P. 5


                                    ALUMINIUM KURIER: EuropeanAluminium bezeichnet den derzeitigenCBAM-Vorschlag als m%u00f6gliche Bedrohung f%u00fcr die Wettbewerbsf%u00e4higkeit dereurop%u00e4ischen Aluminiumindustrie.Welcher der noch bestehenden M%u00e4ngel ist aus Ihrer Sicht am kritischsten:der Umgang mit Post-ConsumerSchrott, die geplante 50-Tonnen-Grenze oder das Fehlen einer wirksamenExportl%u00f6sung?Emanuele Manigrassi: Das unmittelbar gr%u00f6%u00dfte Problem ist der Umgangmit Post-Consumer-Schrott. Wird dieser Punkt nicht korrigiert, k%u00f6nnte rundein Viertel der weltweiten Aluminiumproduktion weiterhin die CO2-Kostenumgehen, die europ%u00e4ische Herstellertragen m%u00fcssen. Gleichzeitig w%u00e4ren europ%u00e4ische Produzenten und Recyclerweiterhin mit Kosten aus dem EUEmissionshandel und aus dem CBAMkonfrontiert.Das bedeutet allerdings nicht, dass dieanderen Schwachstellen von geringerer Bedeutung w%u00e4ren. Auch die 50-Tonnen-Grenze stellt ein erheblichesSchlupfloch dar, weil sie ausschlie%u00dflich auf dem Gewicht basiert und diewirtschaftliche Realit%u00e4t des Aluminiumhandels nicht ber%u00fccksichtigt.Ebenso entscheidend ist einewirksame Exportl%u00f6sung. Aluminium wird auf globalen M%u00e4rkten gehandelt und bepreist. Europ%u00e4ischeHersteller k%u00f6nnen ausschlie%u00dflichin der EU anfallende CO2-Kostendaher nicht ohne Weiteres anKunden au%u00dferhalb Europas weitergeben.Werden diese Punkte nicht korrigiert, kann der CBAM umgangenwerden und seine Wirkung verfehlen. Gleichzeitig steigen dieKosten entlang der europ%u00e4ischenAluminium-Wertsch%u00f6pfungskette.Das w%u00fcrde deren Wettbewerbsf%u00e4higkeit beeintr%u00e4chtigen und gerade jene fairen Wettbewerbsbedingungen verhindern, die mit dem CBAMeigentlich geschaffen werden sollen.Ein wesentlicher Kritikpunkt betrifftdie Behandlung von Post-ConsumerSchrott. Warum schafft der aktuelleVorschlag ein Schlupfloch, und welche%u00c4nderungen w%u00e4ren erforderlich, umfaire Bedingungen f%u00fcr europ%u00e4ischeProduzenten und Recycler zu gew%u00e4hrleisten?Emanuele Manigrassi: Das Schlupfloch entsteht dadurch, dass Pre-Consumer- und Post-Consumer-Schrott imderzeitigen Vorschlag unterschiedlichbehandelt werden. Pre-ConsumerSchrott wird im CBAM als Vorproduktber%u00fccksichtigt, Post-Consumer-Schrottdagegen nicht.Das ist deshalb relevant, weil Aluminium mit einem h%u00f6heren Recyclinganteileinen geringeren CO2-Fu%u00dfabdruck aufweist als Aluminium, das %u00fcberwiegendaus Prim%u00e4rmetall hergestellt wird. Nachden derzeit vorgesehenen Regeln k%u00f6nnen Importeure einen Anteil an PostConsumer-Schrott angeben unddadurch niedrigere eingebetteteEmissionen ausweisen.Da sich die CBAM-Kosten nachdiesen gemeldeten Emissionenrichten, kann sich die Zahl derabzugebenden CBAM-Zertifikateverringern. Damit sinkt auch dieCO2-Belastung der importiertenProdukte.Das Problem besteht darin, dassAngaben zum Post-ConsumerSchrottanteil dazu genutzt werden k%u00f6nnen, Kosten zu vermeiden, die europ%u00e4ische Herstellertats%u00e4chlich tragen m%u00fcssen. Importierte Produkte k%u00f6nnten allein aufgrund von Recyclingangaben von niedrigeren CBAMKosten profitieren, obwohl sichdiese Angaben bislang nicht zuverl%u00e4ssig %u00fcberpr%u00fcfen lassen.Europ%u00e4ische Produzenten undRecycler tragen dagegen weiterhin die Kosten aus dem EUEmissionshandel und demCBAM. Diese finden sich sowohlin ihren Rohstoffkosten als auchin den h%u00f6heren europ%u00e4ischenMarktpr%u00e4mien wieder.Um dieses Schlupfloch zu schlie%u00dfen, sollte Post-Consumer-Schrottgenauso behandelt werden wiePre-Consumer-Schrott und ebenfalls als Vorprodukt in das System aufgenommen werden. Solange keine zuverl%u00e4ssigen Pr%u00fcfund Nachweissysteme vorhanden sind, sollte au%u00dferdem f%u00fcrs%u00e4mtliches Rohaluminium eineinheitlicher CO2-Standardwertgelten. Dabei darf es keine Rollespielen, ob ein Importeur einenAnteil an Pre-Consumer- oder PostConsumer-Schrott angibt.So lie%u00dfe sich sicherstellen, dass importiertes und europ%u00e4isches Aluminium gleichbehandelt werden. Niedrigere CBAM-Kosten d%u00fcrften nur dann gew%u00e4hrt werden, wenn der eingesetzteRecyclinganteil zuverl%u00e4ssig nachgewiesen werden kann.5Die europ%u00e4ische Aluminiumindustriewarnt vor gravierenden Schlupfl%u00f6chern beim CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM. Besonders kritischsieht European Aluminium den Umgang mit Post-Consumer-Schrotten, diegeplante Freigrenze von 50 Tonnensowie den fehlenden Schutz europ%u00e4ischer Exporte. Emanuele Manigrassi,Director Climate & Energy bei European Aluminium (EA), erl%u00e4utert, warum die derzeitigen Regelungen nachAnsicht des Verbands nicht f%u00fcr faireWettbewerbsbedingungen sorgen.Der Umweltausschuss des Europ%u00e4ischen Parlaments, kurz ENVI, hat Anfang Juli seinen Bericht zur %u00dcberpr%u00fcfung des Carbon Border AdjustmentMechanism und zum geplanten Temporary Decarbonisation Fund angenommen. Aus Sicht von EuropeanAluminium blieben dabei jedoch zentrale Schwachstellen ungel%u00f6st. Der Beschluss des ENVI-Ausschusses istnoch nicht die endg%u00fcltige Position desEurop%u00e4ischen Parlaments. Der n%u00e4chstewichtige Schritt ist die Plenarabstimmung, die voraussichtlich am 14. September stattfinden wird.Der Verband bef%u00fcrchtet, dass der CO2Grenzausgleich seine eigentliche Aufgabe verfehlen und die Wettbewerbsf%u00e4higkeit europ%u00e4ischer Aluminiumproduzenten, Recycler und Weiterverarbeiterzus%u00e4tzlich belasten k%u00f6nnte. Im Zentrumder Kritik stehen m%u00f6gliche Umgehungsstrategien beim Einsatz von Post-Consumer-Schrotten, die f%u00fcr Aluminium ungeeignete mengenbezogene Freigrenzevon 50 Tonnen sowie eine bislang nichtausreichende L%u00f6sung f%u00fcr Exporte. European Aluminium fordert daher Nachbesserungen vor der Abstimmung imPlenum des Europ%u00e4ischen Parlaments.Bleiben diese aus, spricht sich der Verband daf%u00fcr aus, die Anwendung desendg%u00fcltigen CBAM-Systems f%u00fcr Aluminium vor%u00fcbergehend auszusetzen.KRITIK AN DER CBAM-REFORMDer Grenzausgleich kann zumWettbewerbsrisiko werdenUnsere L%u00f6sungen.Ihre Anforderungen.TCH.THE RIGHTMATCH bedeutet fTIhren Erfoggarantieren. Erleben Sie live wie aus IhrenThe RIGHT MA f%u00fcr uns wenn Ihre Ziele und unsere n Anforderungen L%u00f6sungen entstehen, dieWeitere Informatonen unter:go.walter/AMBzeigen wir Ihnen auf der AMB. Besuchen Sie uns in Halle 3 | Stand 3E50Engineering Kompetenz perfekt zusammenpassen - uns genau dasTCH bedeutet f%u00fcr uns, wenn Ihre Ziele und unsere waltertools.comThe RIGHT MAINTERVIEW MIT EMANUELE MANIGRASSI Schlupfl%u00f6cher, Schwachstellen und massive M%u00e4ngelDie europ%u00e4ische Aluminiumindustrie warnt vor Schlupfl%u00f6chern beim CBAMFoto: EAFoto: AdobeStock_Piya_W
                                
   1   2   3   4   5   6   7   8   9   10