NordAlu GmbH: Die Produktion steht still, aber ein Runder Tisch soll Lösungen bringen

Wie die Industriegewerkschaft Metall Kiel-Neumünster berichtet, hat sich die Situation bei der NordAlu GmbH in Neumünster seit Beginn des Jahres 2026 deutlich zugespitzt. Nach Informationen der Gewerkschaft wurden Rechnungen nicht fristgerecht beglichen und Entgelte an die Beschäftigten verspätet ausgezahlt.

Wir haben Geschäftsführer der NordAlu GmbH, Michail Theodorakopoulos um eine Stellungnahme gebeten, die wir ebenfalls gerne wiedergeben.

 

Belastend und ungewiss: Die Situation der Mitarbeiter bei der NordAlu GmbH ist geprägt von Zukunftsangst. Foto: IG Metall Neumünster

Nach Berichten aus dem Betrieb fehlt es aktuell sowohl an Material als auch an einer für die Aluminiumverarbeitung notwendigen Energieversorgung. Vor diesem Hintergrund ist die Produktion seit dem 1.Juni eingestellt worden. Die Maschinen stehen still, da ein sicherer Betrieb unter den gegebenen Bedingungen nicht gewährleistet ist.
Kritisch bewertet die IG Metall zudem den Umgang mit den betrieblichen Interessenvertretungen. Dem Betriebsrat und der IG Metall liegen bislang nicht alle erforderlichen Unterlagen vor, um die wirtschaftliche Situation fundiert beurteilen zu können. Damit wird gegen geltendes Tarif- und Mitbestimmungsrecht verstoßen.
„Die Beschäftigten bangen derzeit um ihr Entgelt und damit um ihre Existenz. Wir sind bereit, konstruktiv Lösungen zur Sicherung der NordAlu zu gestalten. Dafür brauchen wir aber Transparenz. Gleichzeitig haben die Kolleginnen und Kollegen in der Vergangenheit gezeigt, dass sie gemeinsam für ihre Rechte eintreten“, erklärt Steffen Kreisl, zuständiger Gewerkschaftssekretär der IG Metall Kiel-Neumünster.

Der Betriebsrat beschreibt die Lage der Belegschaft als zunehmend belastend

„Die Kolleginnen und Kollegen erleben eine akute Notlage. Ungewissheit über die wirtschaftliche Entwicklung, verzögerte Zahlungen und der Stillstand im Betrieb wirken sich massiv auf den Alltag der Beschäftigten und ihrer Familien aus. Wir erwarten, dass die Mitbestimmungsrechte gewahrt und wir umfassend informiert werden.“

Auch mit Blick auf den Industriestandort Neumünster wächst die Sorge: „NordAlu ist ein wichtiger Bestandteil der industriellen Wertschöpfung in der Region. Jetzt müssen alle Beteiligten an einen Tisch, um tragfähige Lösungen zu entwickeln und den Standort sowie die Arbeitsplätze zu sichern.“, so Stephanie Schmoliner, Geschäftsführerin und 1. Bevollmächtigte der IG Metall Kiel-Neumünster.

Runder Tisch soll die Situation klären

Unterstützung erhält die Belegschaft auch aus der Kommunalpolitik. Auf Einladung des Neumünsteraner Oberbürgermeisters Tobias Bergmann wird am 10. Juni 2026 ein industriepolitischer Runder Tisch zur Zukunft der NordAlu im Rathaus stattfinden.

Die IG Metall fordert die Unternehmensleitung und die Gesellschafter auf, umgehend für Transparenz zu sorgen, die Entgeltzahlungen verlässlich sicherzustellen und gemeinsam mit den Interessenvertretungen tragfähige Perspektiven für den Standort zu entwickeln.

Stellungnahme von Geschäftsführer Michail Theodorakopoulos: 

"Die NordAlu GmbH befindet sich derzeit in einem strukturierten Restrukturierungsprozess. Im Rahmen dieses Prozesses werden verschiedene operative und wirtschaftliche Themen, insbesondere die Energieversorgung, die Rohstoffverfügbarkeit sowie Lieferanten- und Vertragsbeziehungen, mit den jeweils relevanten Beteiligten geprüft, abgestimmt und bearbeitet. Ziel dieses Prozesses ist es ausdrücklich nicht, den Standort Neumünster aufzugeben, sondern ihn nachhaltig zu stabilisieren und zukunftsfähig aufzustellen.
Es ist zutreffend, dass das Unternehmen in den vergangenen Wochen operativen und finanziellen Belastungen ausgesetzt war. Daraus kann jedoch nicht abgeleitet werden, dass der Standort oder der Geschäftsbetrieb eingestellt werden soll. Die Geschäftsführung arbeitet aktiv an Lösungen zur Fortführung und Restrukturierung der Geschäftstätigkeit in Neumünster.

Hinsichtlich der Entgeltzahlungen an die Beschäftigten können wir bestätigen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vollständig bezahlt wurden, einschließlich der Entgelte für den Monat Mai 2026. Die Beschäftigten haben für uns höchste Priorität. Wir sind uns unserer Verantwortung gegenüber der Belegschaft, ihren Familien sowie der industriellen Zukunft des Standortes Neumünster vollumfänglich bewusst.

Darüber hinaus möchten wir klarstellen, dass das Restrukturierungskonzept die Fortführung der Belegschaft unter denselben Arbeitsverträgen innerhalb der restrukturierten Gesellschaft mit Sitz in Neumünster vorsieht. Die klare Absicht besteht darin, die Beschäftigungsstruktur zu erhalten und die Aktivitäten am Standort fortzuführen.

Insolvenz ist keine Option

Zum Thema Insolvenz möchten wir ausdrücklich festhalten, dass eine Insolvenz weder das Ziel der Geschäftsführung noch der von uns verfolgte Weg ist. Die Geschäftsführung verfolgt eine Restrukturierungslösung und arbeitet mit den relevanten Partnern daran, die Zukunft des Unternehmens zu sichern. Aus heutiger Sicht ist eine Insolvenz weder die derzeit verfolgte Option noch Bestandteil unserer zukünftigen Planung.

Ergänzend möchten wir darauf hinweisen, dass weitere wesentliche Aktivitäten für den Standort Neumünster vorgesehen sind. Hierzu wurden bereits entsprechende Memoranda of Understanding mit ausländischen Investmentfonds unterzeichnet. Diese Initiativen sind Bestandteil unserer Strategie, am Standort Neumünster eine stärkere industrielle Plattform zu schaffen und zusätzliche Geschäftsfelder über den bisherigen operativen Rahmen hinaus zu entwickeln.

Wir bitten um Verständnis, dass bestimmte kommerzielle Einzelheiten zum jetzigen Zeitpunkt nicht offengelegt werden können, da sie Gegenstand laufender Verhandlungen sind und Vertraulichkeitsverpflichtungen unterliegen. Gleichzeitig möchten wir Ihnen versichern, dass die Geschäftsführung verantwortungsvoll, transparent und mit dem klaren Ziel handelt, die Beschäftigten, das Unternehmen und den Standort Neumünster zu sichern."