Krieg im Nahen Osten: WVMetalle fordert entschlossenes politisches Handeln

Die WirtschaftsVereinigung Metalle (WVMetalle) appelliert eindringlich an die Bundesregierung, kurzfristig wirksame Maßnahmen zur Stabilisierung der Energiepreise und zur Sicherung der industriellen Produktion zu ergreifen.

Die WVMetalle rechnet mit erheblichen Verwerfungen durch den Krieg im Nahen Osten. Foto: AdobeStock_TAIFUR_KI

„Die energieintensive NE-Metallindustrie ist ein unverzichtbarer Bestandteil der europäischen Wertschöpfung und Souveränität. Ihr Erhalt am Standort Europa entscheidet maßgeblich darüber, wie krisenfest unsere Wirtschaft künftig sein wird“, so Dr. Michael Niese, Hauptgeschäftsführer der WVMetalle.
Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen im Nahen Osten führen zu erheblichen Verwerfungen auf den internationalen Energie- und Rohstoffmärkten und stellen die energieintensive NE-Metallindustrie in Deutschland und Europa vor massive Herausforderungen. Insbesondere Unterbrechungen von LNG-Lieferungen sowie Einschränkungen zentraler Transportwege haben zu einem deutlichen und volatilen Anstieg der Energiepreise geführt. Trotz derzeit noch bestehender Absicherungen durch Lieferverträge wächst die Unsicherheit hinsichtlich der zukünftigen Energiepreise erheblich.

Für die NE-Metallindustrie bedeutet dies einen erneuten Energiepreisschock mit potenziell weitreichenden Folgen für Wettbewerbsfähigkeit, Investitionstätigkeit und industrielle Wertschöpfung. Gleichzeitig drohen zusätzliche regulatorische Belastungen die Situation weiter zu verschärfen.

Maßnahmen zur Stabilisierung der Energiemärkte

Aus Sicht der WVMetalle sollten insbesondere folgende Schritte prioritär geprüft und umgesetzt werden:
• Erhöhung des Energieangebots durch maximale Auslastung der LNG-Terminals, die temporäre Rückführung von Kohlekraftwerken in den Markt sowie die Prüfung zusätzlicher Fördermöglichkeiten, um preisdämpfende Effekte zu erzielen
• Deutliche Entlastung der Industrie bei den Netzentgelten, um die Stromkosten kurzfristig zu senken
• Überprüfung und gegebenenfalls temporäre Aussetzung zusätzlicher regulatorischer Belastungen, um die Nutzung verfügbarer Energiequellen nicht weiter einzuschränken
• Zeitlich befristete Entlastung bei nationalen CO₂-Kosten für energieintensive Unternehmen

Belastungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Die Auswirkungen der Krise sind bereits deutlich spürbar: Verzögerungen in globalen Lieferketten, steigende Transportkosten sowie zunehmende Unsicherheiten bei zukünftigen Energieverträgen belasten die Unternehmen erheblich. Parallel führen Exportrestriktionen und Rohstoffverknappungen zu drastischen Preissteigerungen bei wichtigen Metallen und Vorprodukten.
Diese Entwicklungen verdeutlichen die hohe Abhängigkeit der deutschen und europäischen Industrie von fragilen internationalen Lieferketten.

Rohstoffsouveränität strategisch stärken

Die WVMetalle fordert daher eine entschlossene und langfristig ausgerichtete Rohstoffpolitik. Dazu gehört beispielsweise eine aktive Rohstoffaußenpolitik zur Diversifizierung von Bezugsquellen. Darüber hinaus sind die Stärkung des heimischen Bergbaus sowie der Kreislaufwirtschaft durch beschleunigte Genehmigungsverfahren essenziell. Ergänzend sind der Ausbau der Verarbeitungskapazitäten für metallische Rohstoffe in Deutschland und Europa sowie staatlich flankierte Instrumente zur Absicherung von Rohstoffprojekten im Ausland erforderlich.

Energiesouveränität als industriepolitische Kernaufgabe

Die aktuelle Krise macht deutlich, dass Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Transformation zusammen gedacht werden müssen. Die WVMetalle sieht die Bundesregierung und die europäische Politik in der Verantwortung, entschlossen zu handeln, um gravierende Schäden für die industrielle Basis zu verhindern. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass geopolitische Stabilität keine Selbstverständlichkeit ist und strategische Resilienz aktiv gestaltet werden muss.