Bereits seit 2016 arbeitet Hydro an der Entwicklung von HalZero. Die Technologie könnte langfristig das herkömmliche Hall-Héroult-Verfahren ersetzen, das seit 1886 die industrielle Primäraluminiumproduktion prägt. Bei diesem Verfahren reagiert der Sauerstoff aus dem Aluminiumoxid mit den Kohlenstoffanoden, wodurch prozessbedingte CO₂-Emissionen entstehen.
HalZero verfolgt einen anderen Ansatz: Zunächst wird Aluminiumoxid in Aluminiumchlorid umgewandelt, aus dem anschließend durch Elektrolyse metallisches Aluminium gewonnen wird. Chlor und Kohlenstoff sollen dabei in geschlossenen Kreisläufen geführt werden. Ziel ist es, die CO₂-Emissionen aus der Elektrolyse und der Anodenherstellung vollständig zu vermeiden. Statt Kohlendioxid soll Sauerstoff freigesetzt werden.
Erster Erfolg im Technologiezentrum
In der Forschungs- und Versuchsanlage am Hydro-Standort Herøya in Porsgrunn ist es nun erstmals gelungen, Aluminium aus Aluminiumchlorid herzustellen. Das Anfang 2026 in Betrieb genommene Testzentrum dient dazu, die einzelnen Prozessschritte der HalZero-Technologie zu untersuchen und weiterzuentwickeln.
„Dies ist ein wichtiger Meilenstein für Hydro und die norwegische Technologie- und Forschungslandschaft sowie ein bedeutender Fortschritt bei der Entwicklung von HalZero“, erklärt Eivind Kallevik, Präsident und CEO von Hydro. Die erste Metallproduktion zeige, dass die gemeinsam mit norwegischen Forschungseinrichtungen wie NTNU und SINTEF entwickelte Technologie funktioniere.
Allerdings befindet sich HalZero weiterhin in einem frühen Entwicklungsstadium. Auch bei den aktuellen Versuchen entstehen noch CO₂-Emissionen. Die erfolgreiche Metallproduktion belegt daher zunächst die grundsätzliche Funktionsfähigkeit des neuen Elektrolyseverfahrens, nicht aber bereits eine emissionsfreie Aluminiumherstellung.
Industrielle Anwendung noch Jahre entfernt
Im nächsten Entwicklungsschritt will Hydro ein industrielles Pilotkonzept erarbeiten, bei dem sämtliche erforderlichen Prozessschritte miteinander verbunden und unter realitätsnäheren Bedingungen getestet werden. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen die Grundlage für eine spätere industrielle Skalierung bilden.
Nach Angaben des Unternehmens werden noch mehrere Jahre intensiver Versuchs- und Entwicklungsarbeit erforderlich sein, bevor die Technologie industriell eingesetzt werden könnte.
„Die Entwicklung einer völlig neuen Technologie ist anspruchsvoll und braucht Zeit. Hydro verfügt jedoch sowohl über das Fachwissen als auch über die Verantwortung, die Aluminiumindustrie voranzubringen“, betont Kallevik.
Weitere staatliche Förderung
Die Entwicklung wird durch die norwegische Förderorganisation Enova unterstützt. Bereits 2023 hatte sie 141 Millionen norwegische Kronen für den Bau und Betrieb der Versuchsanlage bewilligt. Für die nächste Projektphase, die Entwicklung eines industriellen Pilotkonzepts, stellt Enova weitere 82 Millionen Kronen bereit.

