Alu-Kongress in der Schweiz bringt Experten zusammen

Auch die Schweizer Aluminiumindustrie steht vor gewaltige Herausforderungen: Nachhaltigkeitsanforderungen, geopolitische Spannungen, zunehmender Protektionismus und neue regulatorische Vorgaben verändern die Rahmenbedingungen fundamental. Am Alu-Kongress des Aluminium-Verbands Schweiz, der im Rahmen der Generalversammlung in Gossau (SG) stattfand, diskutierten Branchenvertreter und Experten die Auswirkungen auf Unternehmen, Wertschöpfungsketten und Investitionen. In der nächsten Ausgabe ALUMINIUM KURIER berichten wir ausführlich über den Alu-Kongress.

Jörg Schäfer von Aluminium Deutschland hat die Thematik auf den Punkt gebracht. Foto: alu.ch

Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, wie ökologische Ziele mit wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit vereinbart werden können. Jörg H. Schäfer, Head of Recycling and Sustainability bei Aluminium Deutschland e.V., erinnerte daran, dass Nachhaltigkeit auf drei gleichwertigen Säulen beruhe: Ökologie, Soziales und Wirtschaft. In der öffentlichen Debatte werde Nachhaltigkeit jedoch zunehmend auf die CO₂-Reduktion reduziert. Dies führe zu steigenden Kosten für Unternehmen, die in einem globalen Wettbewerb bestehen müssten.

Schäfer warnte davor, ökologische Kriterien isoliert zu betrachten. Umweltproduktdeklarationen (EPD) und neue Anforderungen an die Nachverfolgbarkeit von Materialströmen seien mit erheblichem Aufwand verbunden. Wettbewerbsfähigkeit bleibe deshalb die zentrale Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung.

Zu wenig Aluminium-Schrott

Ein weiteres Thema war die Versorgung mit klimafreundlichem Aluminium. Zwar wächst die Nachfrage nach Recycling-Aluminium stark, doch die verfügbaren Mengen reichen bei weitem nicht aus, um den künftigen Bedarf zu decken. Weltweit wird der Aluminiumverbrauch bis 2050 voraussichtlich nahezu doppelt so hoch sein wie heute. Trotz steigender Recyclingquoten kann ein grosser Teil des Materials aufgrund langer Produktlebenszyklen erst Jahrzehnte später wieder in den Kreislauf zurückgeführt werden. Verpflichtende Rezyklatquoten könnten deshalb zu Marktverzerrungen und Engpässen führen.

Andreas Steffes, Mitglied der Geschäftsleitung von Handel Schweiz und Geschäftsführer des Verbands Schweizerischer Stahl- und Haustechnik sowie des Dachverbands metal.suisse, zeigte auf, dass sich die Welt zunehmend vom Freihandel entfernt. Seit einigen Jahren dominierten Schutzmassnahmen, Zölle und industriepolitische Eingriffe die internationale Wirtschaftspolitik. Besonders die USA und die Europäische Union setzten verstärkt auf die Absicherung strategischer Industrien wie Stahl und Aluminium.

Steffes kritisierte nicht zuletzt den europäischen Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), mit dem CO₂-Kosten von Importe der inländischen Produktion angeglichen werden sollen. Aus seiner Sicht drohten steigende Materialkosten, eine Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit und eine weitere Verlagerung von Produktion ins Ausland. Von einer eignen Schweizer CBAM-Lösung hälter Steffes indes nichts.

Besondere Stärken ausspielen

Für die Schweiz als kleine, offene Volkswirtschaft seien Abschottung und Schutzzölle kein gangbarer Weg. Vielmehr müsse sie ihre Stärken über Innovation, Produktivität und internationale Vernetzung ausspielen.

Die Unsicherheit über künftige Rahmenbedingungen erschwere zudem Investitionsentscheidungen. Unternehmen seien gefordert, kontinuierlich in Effizienz und technologische Spitzenleistungen zu investieren, während gleichzeitig regulatorische Anforderungen, Energiepreise und handelspolitische Risiken zunähmen.

Der Kongress endete mit einer Besichtigung des Recyclingunternehmens soRec in Gossau. Dort wurde aufgezeigt, wie moderne Recyclingprozesse zur Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe beitragen. Für die Branche steht fest: Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft werden künftig noch wichtiger – ihr Erfolg hängt jedoch entscheidend von wirtschaftlich tragfähigen Rahmenbedingungen ab.

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